1924 - 1999
75 Jahre
Turnverein Schneeberg
Herausgeber: Turnverein Schneeberg 1924 e.V.
Chronik: Ludwig Müller, Amorbach (bis 1984)
Horstmar Kuhn, Schneeberg Ralf Reichert, Schneeberg
Gestaltung: Johanne Magenheim, Schneeberg
Hubert Ort, Schneeberg
Da die Chronik sehr lang ist, können sie mit diesen Links gezielt Punkte in der Chronik aufrufen.
Es wird auch immer wieder ein kleiner Pfeil auftauchen mit dem sie dann zu dieser Auswahl zurückspringen
können.
Grußworte von Staatsministerin Barbara Stamm
Grußwort des Bürgermeisters Erich Kuhn
Grußwort des 1.Vorsitzenden Wolfgang Speth
Die Entwicklung des TV Schneeberg von 1992 - 1999
Menschen die den Verein bewegten
Die Aufgaben des TV Schneeberg heute
Wir hören das Gesetz, das einst die Alten aufgerufen, und wollen es in unsern Tagen treulich halten, daß wir das Werk, das unsre Väter schufen, mit immer neuem Leben füllen und gestalten.
So spricht Friedrich Ludwig Jahn:
Die Turnkunst soll die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wieder herstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leiblichkeit zuordnen, der Oberfeinerung das notwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und ergreifen.
Die Turnkunst erweckt alle schlummernden Kräfte, sie verleiht Selbstvertrauen und Zuversicht. Nur langsam steigert sich die Kraft, allmählich ist die Stärke gewachsen, nach und nach die Fertigkeit gewonnen, oft ein schweres Stück vergeblich versucht, bis es nach harter Mühe endlich gelungen ist. Das bringt das Wollen zum Willen, zum Ausharren, worin der Sieg ruht.
Alles Turnen hat sein Gesetz und seine Regel, seine Schule und Zucht, sein Maß und Ziel. Die höchste Eigentümlichkeit beim einzelnen und die höchste Volkstümlichkeit bei allen !
Jede Turnanstalt ist ein Tummelplatz leiblicher Kräfte, eine Erwerbsschule männlicher Fertigkeiten, ein Wettplan der Ritterlichkeit, Erziehungsnachhilfe, Gesundheitspflege und öffentliche Wohlfahrt.
von Frau Staatsministerin Barbara Stamm
für die Neuauflage der Vereinschronik
zum 75-jährigen Bestehen des Turnvereins Schneeberg
Als Schirmherrin der Veranstaltungen zum 75-jährigen Jubiläum möchte ich allen Verantwortlichen, Mitgliedern, Freunden, Förderern, ganz besonders aber den Aktiven des TV Schneeberg ein herzliches "Grüß Gott" zurufen.
Die Bedeutung des Sports und der Turn- und Sportvereine ist in unserer Zeit größer denn je. Einige wichtige Funktionen des Sports hat schon der deutsche Lyriker und Erzähler Joachim Ringelnatz zu Beginn unseres Jahrhunderts in seiner bekannten humorvollen Art wie folgt beschrieben.
"Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
kürzt die öde Zeit,
und er schützt uns durch Vereine
vor der Einsamkeit".
Sport ist heute viel mehr als bloß die schönste Nebensache der Welt oder nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. So stellen z. B die vielfältigen Angebote der Turn- und Sportvereine ein wahres Gesundheitsprogramm für die gesamte Bevölkerung dar, mit dem der Risikofaktor Bewegungsmangel unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zurückgedrängt werden kann. Für unsere Jugend hat der Sport vor allem auch eine unschätzbare erzieherische Bedeutung und eine wichtige Integrationsfunktion, gerade für ausländische Jugendliche. Sport kann und soll darüber hinaus Werte vermitteln. Fairplay etwa und Achtung vor dem Gegner sind als ethische Grundsätze immer wieder auf unseren Alltag verallgemeinerungsfähig. Auch Leistungsbereitschaft, Disziplin und Freude am Wett bewerb sind Werte, die wir in unserer Gesellschaft dringend benötigen und die bereits in der Jugend im Sport eingeübt werden können.
In diesem Sinne wünsche ich dem TV Schneeberg für die weitere Zukunft herausragende Erfolge, breites Interesse der Bevölkerung und immer wieder neue Anstöße und Impulse.

Barbara Stamm
Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung
Familie, Frauen und Gesundheit
Als Bürgermeister gratuliere ich dem Turnverein Schneeberg auch im Namen des Marktgemeinderates ganz herzlich zu seinem 75-jährigen Geburtstagsfest. Es ist gut, daß zu diesem Anlass die Chronik des Vereins aktualisiert wird. Ich freue mich, daß zu diesem Fest, Frau Staatsministerin Barbara Stamm die Gemeinde Schneeberg besucht. Dies ehrt unseren Markt Schneeberg und unsere ländliche Region.
Dem Turnverein sage ich ein herzliches Dankeschön für seinen wichtigen Beitrag zum sportlichen Geschehen in unserer Gemeinde. Dieser Dank geht an den
Erich Kuhn
Man schreibt das Jahr "1924".
In unserer Heimatgemeinde gründen sportbegeisterte Bürger den Turnverein Schneeberg.
Heute nach 75 Jahren, zum Teil wechselvoller Geschichte, können wir mit Freude und Stolz zusammen mit der Bevölkerung, Freunden und Gönnern, sowie unseren Ehrengästen und Besuchern dieses Jubiläum feiern.
Sportlich, kulturell und auch baulich, denkt man nach dem Bau der Turnhalle auch an den Anbau und die Sportgelände-Erweiterung, wurde vieles geleistet und geschaffen. Dieses versetzt uns in die glückliche Lage unseren zahlreichen Vereinsmitgliedern auch zeitgemäße, vielfältige Sport- und Betätigungsmöglichkeiten, von "Mutter-und-Kind-Turnen" über die Jugend bis ins reife Alter zu bieten.
Wir sind stolz darauf, daß unser Angebot ankommt und genutzt wird. Dass der Turnverein lebt ist unter anderem auch an dem seit Jahren ständig vollen Belegungsplan unserer Turnhalle ersichtlich.
Für die Zukunft gilt es das Geschaffene zu erhalten, dem Zug der Zeit ent-sprechende attraktive Sportmöglichkeiten anzubieten und zu erweitern, um das Vereinsleben möglichst immer auf hohem Niveau zu erhalten.
Bei den ehrenamtlichen Mitgliedern der Vorstandschaft und des Vereinsausschusses, den Übungsleiterinnen und Übungsleitern und allen die mich seit 1991 in der Vereinsführung begleitet haben und noch begleiten, bedanke ich mich im Jubiläumsjahr für Ihre Unterstützung und spreche meinen aufrichtigen Dank aus.
Ich wünsche dem Turnverein 1924 e.V. Schneeberg auch weiterhin viel Erfolg, dem Jubiläum einen guten Verlauf und unseren Gästen ein paar schöne Stunden.
Wolfgang Speth
1. Vorsitzender
HÖRET DIE TOTEN, DIE UNS UMGEBEN!
SEHET, SIE WEISEN MITTEN INS LEBEN.
IN EHRFURCHT GEDENKEN WIR
UNSERER VERSTORBENEN
UND GEFALLENEN MITGLIEDER
UND DANKEN IHNEN ALLEN
UND ZUM VEREIN.
Die ersten 60 Jahre
des TV Schneeberg
1924 bis 1984
Die ersten Turnriegen des TV Schneeberg
1924 - 1984
sechzig Jahre Turnverein Schneeberg
Das 60-jährige Bestehen eines Vereins ist ein echter Anlass, froh zu sein und dieser Freude in festlichem Rahmen Ausdruck zu verleihen. Doch damit, daß ein Verein besteht, rechtfertigt sich eine solche Feier noch nicht. Denn ein Verein, zumal ein Turnverein, ist ein organisches Gebilde aus lebendigen Menschen, und es kann nicht genügen, daß ein solches Gebilde besteht, es muss vielmehr auch wirklich leben und tätig sein.
Den Nachweis dafür zu erbringen, daß der Turnverein Schneeberg in den 60 Jahren seines Bestehens ein lebendiger, ein tätiger Verein war, fällt dem Chronisten nicht schwer.
Ein paar Streiflichter mögen dies zeigen. Lichter, die ein frohes Erinnern in den Augen derer widerspiegeln werden, die dabei gewesen sind und mitgemacht haben, Lichter, die aber auch den Nicht-dabei-Gewesenen die nötige Achtung vor einer Gemeinschaftsleistung abfordern, die heutzutage nur gar zu gern als Selbstverständlichkeit genommen wird.
Aus der Gründungszeit
Als an jenem 4. Juni 1924 der Turnverein Schneeberg ins Leben gerufen wurde, war die Idee des Turnvaters Jahn schon mehr als hundert Jahre alt. Seit 75 Jahren, seit den Tagen der Bürgerlichen Revolution von 1848, bestanden in den deutschen Städten wieder die Turnvereine und die Turnplätze, welche die Reaktion eines Metternich und Genossen zerschlagen geglaubt hatte. Denn inzwischen hatte es sich deutlich genug gezeigt, daß das Turnen keine staatsfeindliche, sondern im Gegenteil eine die Volkskraft und damit den Staat erhaltende Sache ist. In der Paulskirche zu Frankfurt am Main sprach damals 1848 der greise Jahn als Mitglied der Deutschen Nationalversammlung das Wort :
"Deutschlands Einheit war der Traum meines er-
wachenden Lebens, das Morgenrot meiner Jugend,
der Sonnenschein der Manneskraft und ist jetzt der
Abendstern, der mir zur letzten Ruhe winkt."
Wie zeitgemäß dieses Wort auch heute noch klingt!
Der Aufbau der Turnvereine allüberall im deutschen Land vollzog sich in der Folgezeit in zwei Etappen. Ein Teil entstand kurz vor oder bald nach der Gründung des zweiten Deutschen Reiches 1871, ein weiterer Teil kam erst in der ersten Deutschen Republik von 1919 zustande. Zu dieser ersten Gruppe darf man aus unserem Heimatgebiet die Turnvereine Amorbach, Kirchzell und Weilbach zählen, zur zweiten Gruppe gehört der Turnverein Schneeberg.
Es waren 18 wackere Männer aus Schneeberg, die sich zusammen mit zehn Amorbachern vor 60 Jahren hier zur Gründungsversammlung einfanden. Durch - wie es im Protokollbuch heißt - die markigen Worte des Amorbacher TV-Vorsitzenden Beger und des Amorbacher Turnwarts Bleibtreu ermuntert, entschlossen sie sich zur Vereinsgründung. Als ihren ersten Vorsitzenden wählten sie einen Mann, der von da an elf Jahre lang in beispielhafter Selbstlosigkeit, mit großer Geduld und schwungvoller Tatkraft die Vereinsgeschicke leitete: Tbr. Anton Keller. Dass auch die Lehrerschaft bei der Vereinsgründung nicht abseits stand, beweist die Wahl des Lehrers Valentin Oertel, der von da an bis 1927 dem Verein als gewissenhafter Schriftführer diente. Vorläufiger Turnwart wurde Heinrich Hock, dem schon im nächsten Jahre die Turnwarte Otto Trabold und Leopold Büchler folgten, zu denen später noch Paul Kuhn und Alois Kuhn hinzukamen. Dem redlichen Mühen und beachtlichen Können dieser Männer ist es zu danken, daß das Turnen in Schneeberg bald festen Fuß fasste und die späten zwanziger und die frühen dreißiger Jahre einen steten Aufwärtstrend zeigten.
Zu ihnen trat nach 1930 mit Lehrer Wohlmann als Dietwart ein weiterer ideenreicher Turnpädagoge.Doch zurück zum geschichtlichen Verlauf! Bereits 7 Wochen nach der Gründung veranstaltete man unter Mithilfe der Turnvereine aus Amorbach, Kirchzell, Weilbach, Eichenbühl und Walldürn einen Werbetag mit Schauturnen mit dem Erfolg, daß die Mitgliederzahl des jungen Vereins von 18 auf 60 anstieg. Damit war auch von der Quantität die Grundlage gegeben, auf der sich die Qualität erarbeiten ließ. Diese bewies der TV Schneeberg in den folgenden Jahren auf zahlreichen Turnfesten des Main-Spessart-Turngaues, dem er schon im August 1924 beige- treten war.
Wie ernst damals das Training genommen wurde und wie streng die Bräuche waren, verrät ein Protokoll von 1927, in dem es heißt: "Wer von den Zöglingen (so nannte man damals die Turnerjugend über 14 Jahre) nicht regelmäßig zum Turnen erscheint, wird ausgeschlossen. " Wie sorgsam man mit den mühselig zusammengesparten Geräten und mit dem Turnplatz umging, verrät der Eintrag von 1928: "Am Turnplatz wird eine Warnungstafel aufgestellt: Fußballspielen bei Strafe verboten!" Grund dieser Maßnahme war einzig die Befürchtung, der Platz werde durch das wilde Kicken ruiniert. Diese Episode sei nicht deshalb erwähnt, um die Turner von damals als Feinde des Fußballs zu brandmarken, sondern um auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, die es in der Entwicklung der beiden heute führenden Sportarten, des Turnens im weitesten Sinne und der Turnspiele auf der einen, des Fußballs auf der anderen Seite, gegeben hat. Die Verhältnisse klärten sich später ab. 1932 schlossen sich Turner und Fußballer sogar im TV zusammen, besser gesagt, nahm sich der TV des damals nicht gerade in rosiger Lage befindlichen Fußballs an. Im übrigen hatte der TV zu allen Sport-treibenden Vereinen ein zwar konkurrierendes, aber dennoch harmonisches Verhältnis. Das beweist u. a. eine Veranstaltung aus dem Jahre 1928, wo ein gemeinsames Abturnen des TV und Schlussfahren des Radfahrervereins "mit prächtigem Erfolg" durchgeführt wurden.
Als sichtbaren Ausdruck ihrer idealen Gemeinschaft wünschten sich die Turner von Schneeberg schon lange eine Fahne. "Dies ist ein schwerer Punkt", schreibt der gewissen- hafte Schriftführer Karl Kuhn im Januar 1930 ins Protokoll. "Es soll eine Liste zirkulieren, in welche sich die Einwohnerschaft mit milden Gaben einzeichnen soll." Dieses Vorhaben hatte offensichtlich Erfolg, denn an Pfingsten 1930 konnte man in glanzvollem Rahmen die neue Fahne mit dem Turnerkreuz weihen. Der "Bote vom Untermain" berichtete damals in einem ganzseitigen Beitrag über den Verlauf dieses Festes und nannte die Fahnenweihe eine wohlgelungene Werbung für die Ziele des Turnvaters Jahn.
Beim Festkommers am Pfingstsonntagabend trat neben anderen die Musterriege des TV Amorbach auf und machte, lt. Zeitungsbericht, "ihrem Namen alle Ehre".
"Wirklich Musterhaftes wurde von den Turnern geleistet, ruhiges Arbeiten. Exaktheit und vorzügliche Haltung gaben Zeugnis unermüdlichen Fleißes." Einen Höhepunkt bildete das Keulenschwingen der Amorbacher, wobei die verschiedenen Farben der elektrisch beleuchteten Keulen, wiederum lt. Zeitungsbericht, "mystisch schön" wirkten. Vorsitzender Anton Keller dankte in seinem Rückblick besonders auch dem Gemeinderat von Schneeberg. "der dem Turnverein stets seine tatkräftige Unterstützung zuteil werden ließ". Diese dankenswerte Haltung der Schneeberger Gemeindeväter sollte sich in der Zukunft noch häufiger beweisen, besonders auch in der Nachkriegszeit beim Bau der Turnhalle, über den noch zu sprechen sein wird. Nach der kirchlichen Weihe der Fahne am Pfingstmontag, bei welcher Pfarrer Brenneis den Turnerspruch: "Frisch - Fromm - Froh - Frei" ausdeutete, gab es einen zweiten Höhepunkt mit der Festrede des Bezirksoberlehrers Andreas Göpfert, der die geschichtliche Entwicklung des deutschen Turnens und seine Ziele darlegte und alt und jung zur "echten Sympathie für das Turnen" aufrief. Die Wettkämpfe brachten turnerische Hochleistungen. Gauoberturnwart Schollmeier konnte die ersten Preise an die Turnvereine Kleinheubach, Amorbach und Bürgstadt vergeben. Über den weiteren Festbetrieb braucht man nicht zu berichten, die Feste verliefen damals kaum anders als heute, jung und alt "huldigte dem Tanz", beim Kindernachmittag kamen auch "die lieben Kleinen" zu ihrem Recht. Das gesamte Fest hatte aber auch einen kulturellen Rahmen von hohem Niveau, zu dem der Gesangverein Sängerbund, der Kirchenchor und die Musikkapelle Schneeberg ihren Teil beitrugen. Lehrer Gräb aus Amorbach hatte sogar eigens für das Fest einen Begrüßungschor komponiert. Man möchte sich einen solchen Rahmen und eine solch harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen Vereine auch für die Zukunft immer wünschen.
Neben den turnerischen und sportlichen Aktivitäten legte der Turnverein Schneeberg auch selbst Wert auf die Pflege einer volkstümlichen Kultur. Schon drei Monate nach seiner Gründung 1924 trat er erstmals mit einem Theaterabend an die Öffentlichkeit und von da an wurde fast alljährlich, in manchen Jahren sogar zweimal ein Laienspiel aufgeführt. Man mag heute, da einem allabendlich gutes oder auch weniger gutes Theater über das Fernsehen frei Haus geboten wird, über solches Tun und vor allem auch über die dabei aufgeführten Stücke vielleicht ein wenig lächeln, für Spieler und Zuschauer hatten sie ihren hohen Zweck. Es ging beileibe dabei nicht nur darum, die Vereinskasse ein wenig aufzufüllen, das Laienspiel gab auch den Spielern selbst die Möglichkeit, im besten Sinne des Wortes aus sich herauszugehen, den Zuschauern aber das Erlebnis, sich für ein paar Stunden in eine andere Welt zu versetzen. Damit schuf der Turnverein gegenüber einer sonst vielleicht einseitigen Körperkultur einen gesunden Ausgleich. Nicht von ungefähr lautete ein damals weitverbreiteter Spruch auf Turner- fahnen "Wer seinen Körper stählt, pflegt seine Seele". Auch die alljährlichen Sonnwendfeiern am "Seifen", die echter Vaterlandsliebe und nicht einem falschen Nationalismus entstammten, muss man in diesem Zusammenhang anführen.
Dieser falsche Nationalismus ließ freilich nicht mehr lange auf sich warten. Aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise, der Massenarbeitslosigkeit und Massennot, in der man in Schneeberg den Monatsbeitrag von
20 Pfennig auf 10 Pfennig herabsetzen musste, entstand die sog. nationale Revolution von 1933. Hitler brachte nicht nur für die Parteien das Ende, er schaltete auch alle Vereine bis zum letzten kleinsten Dorfverein gleich. Am 05. Mai 1933 mussten auch in Schneeberg die Mitglieder des Vereinsausschusses ihr "Treuegelöbnis zur nationalen Regierung" ablegen, wenn der Verein weiterbestehen wollte. Sie taten es durch Handschlag gegenüber ihrem "Ersten Führer", wie der Vorsitzende nunmehr genannt werden musste. Dieser aber war noch immer der verdiente Tbr. Anton Keller, der 1935 von Tbr. Leo Büchler abgelöst und in dankbarer Würdigung seiner Leistungen zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Doch auch Büchler und der ihn im Zweiten Weltkrieg vertretende Tbr. Alois Trunk waren von gutem Turnergeist beseelt und steuerten mit Geschick, Geduld und Hingabe das Vereinsschifflein durch die Klippen einer verworrenen Zeit, in der nun das Marschieren wichtiger schien als das Turnen und bald der Kommißstiefel die Turnschuhe zu verdrängen suchte. Erst im April 1940, als es nicht länger zu umgehen war, nahm der TV Schneeberg die Einheitssatzung des damaligen NSRL, des nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen, an.
Mit wechselnden Schwerpunkten ging in diesen Vorkriegsjahren das turnerische Leben in Schneeberg weiter. Neben dem Geräteturnen pflegte man jetzt auf Betreiben von Lehrer Wohlmann verstärkt die Leichtathletik und das Schwimmen. Schon 1933 hatte er die Errichtung eines Badeplatzes angeregt, 1938 entstand die Schwimmabteilung unter Schwimm- wart Alois Berberich. Von Gewässerverschmutzung wusste man damals gottlob noch nichts. Im übrigen verlief das Vereinsgeschehen in dieser Zeit durchaus normal, die Schneeberger Turner besuchten die verschiedensten Veranstaltungen der Umgebung und die Gauturnfeste und stellten dort ihren Mann. Sie nahmen auch regelmäßig an den sog. Götz-Wanderungen, den heutigen Gauwandertagen, teil, hielten auf gute Kameradschaft und gepflegte Geselligkeit, auch wenn es manchmal zu kleinen Reibereien zwischen der vorwärtsdrängenden Jugend und dem etwas beharrlichen Alter kam, was gelegentlich im Protokollbuch als "Beschwerde gegen einen Turnwart" erscheint.
Schon bei Kriegsausbruch 1939 wurden 18 Mitglieder des
TV Schneeberg eingezogen. Ihnen und all denen die ihnen später nachfolgen mussten, sandten die Daheimgebliebenen alljährlich zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten ihre Feldpost- Päckchen, wofür man öfter eine Sammlung veranstaltete, denn die TV-Kasse war zwar wohlgeführt, meistens aber ziemlich leer. Dass der Turnverein Schneeberg bis Mitte 1944 aktiv bleiben und den Krieg so tapfer durchstehen konnte, daß noch immer trotz des Aderlasses und des Blutzolls, den auch die Schneeberger leisten mussten, hier turnerisches Leben herrschte erscheint im Rück- blick besonders anerkennenswert.
"Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen" - dieses Schillerwort kann man gut und gern auch auf die Geschichte des TV Schneeberg anwenden. Bereits am 18. Mai 1946 konnte der aus dem Kriege heimgekehrte Vereinsführer Leo Büchler, nunmehr wieder als l. Vorsitzender die erste Nachkriegsversammlung einberufen. Nachdem man der fünf Gefallenen des Vereins Karl Berberich, Hermann Trunk, Willi Henn, Ludwig Henn und Paul Müller und der noch in Gefangenschaft befindlichen Turnbrüder gedacht hatte, machte Büchler die erfreuliche Mitteilung, daß der Verein von der Militärregierung wieder zugelassen und folgende Vorstandschaft genehmigt worden war:
l. Vorstand: Leo Büchler, 2. Vorstand: Richard Geyer, Schriftführer: Franz Kuhn, Kassenwart: Emil Henn, l. Turnwart: Paul Kuhn.
Einmütig beschloss man, sofort den Schutt vom Turnplatz wegzuräumen, die Sprunggruben mit Mainsand aufzufüllen, das Gerätehäuschen Instandzusetzen u.a.m. Sobald wie möglich sollte wieder mit dem Turnbetrieb begonnen werden - und dies geschah dann auch.
Als Auftakt und äußeres Zeichen der Wiederbelebung des Vereins unternahm man wenige Tage später einen gemeinsamen Ausflug mit den Familienangehörigen. Auch ein Tanzabend wurde geplant, um die Geselligkeit ein wenig anzukurbeln. Dies alles, die Arbeit am Turnplatz, das Turnen und das Wandern, der Tanz und die Geselligkeit, geschah in einer Zeit großer Not, in der sich kaum jemand richtig Sattessen konnte. Wie viel Mut und Vertrauen bewiesen diese Männer der ersten Stunde!
In der Folgezeit erlebte der TV tatsächlich, was in der ersten Nachkriegsversammlung von Leo Büchler erhofft worden war: Eine neue Blüte. In drei Riegen wurde geturnt; Schüler von 10 - 14 Jahren, Zöglinge von
14 -16, Aktive über 16. Auch die Frage eines Schwimmbades oder wenigstens eines Schwimmplatzes sowie die Wiederbelebung der Fußballabteilung wurde angegangen. In zähem Kleinkampf wurde der Turnplatz vergrößert, wurden umstrittene alte Rechte geklärt. Um auch eine juristisch einwandfreie Grundlage zu haben, wurden durch Beschluss der Generalversammlung vom Januar 1947 die alten Vereinsstatuten (d. h. die Satzung) von 1924 wieder in Kraft gesetzt. Große Sorgen bereitete den Verantwortlichen in der damaligen Zeit der zu kleine Turnplatz und das Fehlen einer Turnhalle. Pläne wurden gefasst und wieder verworfen, es gab Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern und mit der Gemeindeverwaltung, Verträge wurden aufgesetzt und wieder abgelehnt, eine Lösung war noch nicht in Sicht. Wie alle hatte der Verein auch nach 1948 infolge der Währungsreform sein zwar geringes, aber doch wesentliches Geldvermögen verloren. Doch nur wenige Turner verloren die Lust oder den Mut. Unter der tatkräftigen Führung des Vorsitzenden Josef Dumbacher, der sein Amt im Januar 1949 antrat, war das Vereinsschifflein bald wieder flott. Im Februar 1949 zeigte Karl Wild mit seinen Turnzöglingen bei einem Eltern- und Werbeabend, wie in den Turnstunden mit der Jugend gearbeitet wird. Solche Leistungsnachweise gaben auch in den folgenden Jahren den Eltern das Gefühl, daß ihre Jugend beim TV in guten Händen sei.Am 24./25. Juli 1949 beging man in einem würdigen Rahmen das
b 25. Gründungsfest im Gasthaus zur Winterhelle. Eingeleitet wurde dasselbe am Abend durch eine turnerische Leistungsschau der Jugend auf dem Turnplatz. Kirchenparade, Zug zum Festplatz, Festvormittag und -nachmittag wie üblich. Die Gründungsmitglieder wurden geehrt, die Sieger wurden ausgezeichnet. Die Ehrendamen überreichten ein Fahnenband, der Patenverein TV Amorbach eine Federzeichnung der Abteikirche. Die turnerischen Vorführungen der Turnver- eine Amorbach, Kirchzell und Michelstadt, besonders auch die Damenriegen, "weckten große Begeisterung".
1951 übergab Josef Dumbacher sein Amt als l. Vorsitzender an Franz Kuhn, der diese Aufgabe seitdem, von einer kurzen Unterbrechung 1955 abgesehen, in der Eugen Berberich das Amt des 1.Vorsitzenden übernahm, bis zum heutigen Tage rastlos und restlos erfüllt. Aber auch Dumbacher blieb dem Verein noch 17 Jahre als Schriftführer erhalten und unterstützte als Bürgermeister die Turnersache, der er sich verschrieben hatte. Das Vereinsleben der fünfziger Jahre kann durchaus als lebhaft bezeichnet werden. Die alljährlichen Abturnen legten davon ebenso Zeugnis ab, wie die Beteiligung des TV Schneeberg an anderen Vereins- und Gauveranstaltungen. Beim Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Schneeberg im Juli 1951 traten die Jungturner mit Freiübungen, die Aktiven mit Barrenturnen und erstmals auch eine Mädchenriege mit einer Keulengymnastik und einem Reigen auf. So viel Unermüdlichkeit wurde auch dadurch belohnt, daß im Dezember 1951 endlich der Turnplatz als Eigentum des TV notariell beurkundet werden konnte. Die Platzfrage hatte viel Staub aufgewirbelt, jetzt konnte die Jugend höchstens den Staub auf dem Platz aufwirbeln. Dass es dazu noch einmal eine Flaute gab, sei nicht verschwiegen. Ehrenvorstand Keller musste im Juli 1952 einmal kräftig Wind machen, um das Vereinsschiff wieder in Fahrt zu bringen. Dasselbe musste im Oktober 1953 Turnkreisvorsitzender Ludwig Wöber tun.
Der Turnhallenbau siehe Bilder
Solches Mühen lohnte sich denn auch immer wieder. Am 27./29. Juni 1959 gestaltete der TV Schneeberg aus Anlass seines 35-jährigen Bestehens ein Werbeturnfest, das seinem Namen alle Ehre machte und seinen Zweck voll erfüllte. Landrat Dr. Beck stellte in seiner Festansprache einigen unerfreulichen Zeiterscheinungen im Sport den gesunden Turnergeist entgegen. Vielen Turnern aber ist dieses Fest nicht nur wegen seiner hervorragenden Leistungen der Gauriege an Pferd, Ringen und Reck und wegen der hohen Zahl der Wettkämpfer aus
17 Vereinen in Erinnerung, sondern auch wegen der begeisterten Zustimmung, die damals die Bürgerschaft bekundete, als der stv. Gauvor- sitzende Ludwig W. Müller eine "zeitgemäße und genügend große Turnhalle" für den TV Schneeberg forderte und dabei betonte, die Frage heiße nicht "Schule oder Turnhalle", sondern "Schule und Turnhalle" - heute stehen längst beide!
Tatsächlich war von da an der Gedanke des Turnhallenbaues nicht mehr unterzukriegen. Ihm diente auch die Übertragung des Frühjahrsturnfestes des Main-Spessart-Gaues 1961, bei dem die Mitglieder, in vorbildlichem Einsatz, das durch tagelangen Regen aufgeweichte Festgelände buchstäblich in letzter Minute noch zu einem brauchbaren Festplatz herrichten konnten. Beim Festabend, das Festzelt war bis auf den letzten Platz gefüllt, konnte Tbr. L.W. Müller fest- stellen, daß die Saat des Werbeturnfestes in den letzten zwei Jahren aufgegangen und der Verein eine geschlossene Einheit geworden sei, die sich stark genug fühlen könne, das "Großprojekt Turnhallenbau" durchzuführen.
Der Bauausschuss, initiiert von dem auf diesem Gebiet besonders befähigten 2. Vorsitzenden Reinhold Keller und dem unermüdlichen Erwin Geyer tagte in der Folgezeit, weiß Gott wie oft, der Vereinsausschuss nicht viel weniger, ungezählte Gespräche wurden geführt. Beratungen in Miltenberg, in Würzburg und in München beim Landessportverband gepflogen.
Ende 1963 lag der genehmigte Bauplan auf dem Tisch. Turnverein und Gemeinde arbeiteten Hand in Hand, der Verein brauchte die Gemeinde zur materiellen Unterstützung mit Geld und Bauholz, die Gemeinde brauchte die Turnhalle für ihre Schule. Im April 1964 standen die Finanzmittel für den Rohbau bereit, und nun begann ein munteres Bauen. Viele freiwillige Helfer stellten sich und auch ihre Maschinen zur Verfügung. Franz Kuhn war der gute Geist und die treibende Kraft am Bauplatz, Reinhold Keller, Fridolin Greulich, Leonhardt Hörst und Leo Büchler die tüchtigen Manager im Hintergrund. Am 6. November 1965 wurde die Halle mit einer würdigen Feierstunde eingeweiht. Nach so vielen Monaten schwerer Sorgen und harter Arbeit strahlte das Glück aus den Augen all der Helfer beim Bau, die an diesem Abend zu ihrer inneren Befriedigung den bescheidenen Dank des Vereins entgegennehmen durften.
Die neue Turnhalle wirkte bald wie ein Magnet, der viele Menschen anzog. In den Vereins- und auch in den Schulturnstunden, besonders nach der Gründung der Verbandsschule 1969, quirlte es in der Halle nun in jeder Woche viele Stunden lang von quicklebendigen Kindern. Das Jedermannturnen fand hier eine Pflegestätte, eine Frauenabteilung entstand. Neben dem Turnen in seinen vielfältig Formen kam auch das Tischtennisspiel zu ungeahntem Ansehen, das schließlich bis zu Meisterwürden in der Bezirksliga führte. "Aber der Hallenbau", so stellte Bürgermeister Dumbacher 1967 fest, "erwies sich nicht nur als eine Notwendigkeit für den Turnverein, sondern auch als ein Segen für die ganze Gemeinde. Neben ihrer eigentlichen Aufgabe hat sich die Halle zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt für Schneeberg entwickelt." Dies zeigte sich in einer Viel- zahl von Veranstaltungen wie Bürgerversammlungen, Faschingsbällen, Theaterabenden, Begrüßungsabenden des Verkehrsvereins, Discos für die Jugend, kulturellen Veranstaltungen des Musikvereins und des Gesangvereins.
Im Juni 1974 konnte der TV Schneeberg sein 50. Gründungsfest begehen. Viele Gratulanten kamen zum Jubiläumsabend: Landtagsabgeordneter Friedel Speth zollte Dank und Anerkennung des Landessportbeirats, Bezirksrat Bierbichler lobte den "großen Dienst des Vereins für die Volksgesundheit", Landrat Galmbacher hob besonders die Breitenarbeit des TV heraus. Bürgermeister Dumbacher dankte vor allem Franz Kuhn als "Seele und Motor des TV" und Gau- vorsitzender Horst Wöber anerkannte ausdrücklich die vorbildliche Jugendarbeit. BLSV Kreis- vorsitzender Ludwig Ritter nahm zahlreiche Ehrungen vor. Ein dreitägiges Fest mit turnerischen Vorführungen, aber auch mit Geselligkeit und Tanz schloss sich an.
Dass und wie ein solches Jubiläum motivierend wirken kann, sollte sich alsbald zeigen. Ist doch das sechste Jahrzehnt durch eine Fülle von Aktivitäten gekennzeichnet, die alles Vorangegangene noch übertreffen.
Drei Ziele hatte sich die Vorstandschaft dafür gesetzt:
- die erfolgreiche Weiterführung des Turn- und Sportbetriebs
- die Erhaltung und den weiteren Ausbau der Turnhalle
- die Pflege der Geselligkeit
Diese drei Ziele wurden in der Folgezeit voll erreicht. Im Turnen und Sport ging es weiter aufwärts. 1975 übernahm Arno Knapp, der beste Turner, den Schneeberg je hatte, als Oberturnwart die Regie und meisterte seine Aufgabe mit Sachverstand und Hingabe.
80 Kinder und Jugendliche, betreut von den Übungsleiterinnen Edeltrud Gräser, Hannelore Beuchert. Maria Reichert und den Übungsleitern Arno Knapp, Alfred Reichert, Josef Speth, und etwa 70 Damen, betreut von Agnes Häfner, Edith Stubert, Monika Niesner, Maria Reichert und Angela Schäfer waren 1983 im TV aktiv. Frauenturnen, Mutter-und-Kind-Turnen und Jedermannturnen hatten hier ebenso ihre Heimstatt wie Aerobic und Jazzgymnastik.
Die Tischtennisabteilung unter ihrem rührigen Abteilungsleiter Ludwig Henn steht mit sieben Mannschaften im Wettkampf.
Im Auf und Ab der Jahre errang sie 1975 mit ihrer l. Herren-Mannschaft die Meisterschaft in der 3. Bezirksliga. In der Saison 83/84 konnten die bisher größten Erfolge der Abteilung gefeiert werden: Die Mädchen AK I gewannen in der Besetzung Marlene Zipp, Elke Dolzer, Susanne Trunk und Esther Löhr den Ufr. Bezirkspokal. Kerstin Reichert, Tanja Kratochwill und Esther Löhr wurden unterfränkische Mannschaftsmeister. Infolge der guten Jugendarbeit kann die Tischtennisabteilung in jedem Jahr schöne Erfolge im Mannschafts- und Einzelspielbetrieb verbuchen, dies alles nicht zuletzt dank der Anleitung durch die Trainer Joachim Kuhn und Marlene Zipp. Die Karate-Abteilung unter ihren Abteilungsleitern Paul Demuth, Günther Graul und Andreas Springer erlebte seit 1979 einen stetigen Aufschwung. 1983 errang sie den Titel des baden-württembergischen Nachwuchsmeisters (Mannschaft B), und brachte von vielen Wettkämpfen Pokale und Medaillen nach Hause.Seit 1978 legte Arno Knapp alljährlich in der Vorweihnachtszeit mit einem inzwischen überaus beliebt gewordenen Turnnachmittag ein lebendiges Zeugnis von der vielseitigen Leibeserziehung ab, die im TV Schneeberg betrieben wird. Der Erhaltung und Pflege der unter so großen Anstrengungen und Opfern geschaffenen Turnhalle galt die Hauptsorge der Vorstandschaft. Vorsitzender Franz Kuhn, der selbst die Aufgabe des Hausmeisters übernahm, hütete sie wie seinen Augapfel bis zu seinem Umzug ins eigene Haus Ende 1977. Sein Nachfolger Stubert stand ihm hierin nicht nach.
Eine Turnhalle, die Woche für Woche von Montag bis Samstag voll ausgelastet ist, leidet natürlich unter Verschleißerscheinungen. So erwies sich bereits nach zwölf Jahren eine Totalrenovierung als nötig. Diese erfolgte schrittweise mit viel Arbeit in Eigenregie, aber auch unter großen Investitionen, zumal damit erhebliche Verbesserungen (Umkleideräume, Duschanlagen, Hausmeisterwohnung, Heizung) verbunden wurden. Und wenn sich die Halle heute wieder als Schmuckkästchen präsentiert, hat die Vorstandschaft schon einen weiteren Plan:
Längs der Ostseite soll ein Anbau neue Geräte- und Wirtschaftsräume sowie eine Galerie ermöglichen. Ein dazu nötiges Grundstück wurde von der Gemeinde kostenlos dem TV überlassen, ein Nachbargrundstück wurde zum Zweck des Geländetausches käuflich erworben. Was dem TV aber immer noch fehlt, ist eine ausreichende Leichtathletikanlage mit einer 100 m-Bahn.
Mit den Verbesserungen in der Halle konnte man auch der Pflege der Geselligkeit noch besser gerecht werden. Diesem Ziel dienten auch manche andere Maßnahmen, so z. B. die Grillanlage mit Pergola für das gemütliche Beisammensein von Gruppen.
Besondere Verdienste um Verein und Turnhalle erwarben sich neben dem Vorsitzenden Franz Kuhn der zeitweilige 2. Vorsitzende Ruthard Keller, Schriftführer Erhard Kreibich und im Wirtschaftsbereich und im Geschäftsbetrieb Elmar Geyer, Horstmar Kuhn und Hubert Ort.
Zwei für einen gesunden Verein wesentliche Erscheinungsformen beschäftigten 1979 die Vorstandschaft besonders: Die Satzung als Grundgesetz des Gemeinschaftslebens und die Fahne als Sinnbild der Zusammengehörigkeit. Von 80 Mitgliedern in der Zeit vor dem Hallenbau ist der TV Schneeberg auf über 400 Mitglieder angewachsen. Dieser Größenordnung und der Vielfalt der gewachsenen Aufgaben hatte auch die Satzung Rechnung zu tragen. Deswegen gab sich der Verein 1979 eine neue Satzung, welche die Statuten von 1924 ablöste. Damit ist den neuen Strukturen, aber auch den Bestimmungen des Landessportverbandes (BLSV) und des Deutschen Turnerbundes (DTB) entsprochen und doch der gute Geist der Vereinsgründer erhalten worden.
Im gleichen Jahr beschloss man, eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Das alte Banner von 1930 war vom Zahn der Zeit arg angenagt und nicht mehr reparaturfähig. Im Rahmen eines Festaktes, mit Totenehrung, Kirchenparade und Hochamt, wurde die neue Fahne am 29. Juli 1979 geweiht. Sie zeigt in den Vereinsfarben Weiß-Rot auf der einen Seite die Turn- halle als Mittelpunkt des Vereinslebens, umgeben von einem Pferdturner und einem Tischtennisspieler.
Die andere Seite trägt das alte Jahnsche Turnersymbol der vier F ("Frisch, Fromm, Froh, Frei") mit dem Zusatz: "Treu dem Sport - Treu dem Verein".
Mit diesem Bekenntnis zur Treue, das zugleich Forderung und Aufforderung ist, sei auch der rückblickende Teil dieser Betrachtung geschlossen. Sicher wären noch viele Namen zu nennen, viele Leistungen aufzuzählen gewesen - fühle sich deswegen niemand übergangen. Ein besonderes Wort des Dankes und der Anerkennung sei aber noch Altbürgermeister Dumbacher und dem Gemeinderat Schneeberg gesagt. Sie haben die Bedeutung des Turnvereins für die Ertüchtigung der heranwachsenden Jugend und für die Erhaltung der Volkskultur erkannt und wiederholt gewürdigt. Möge der Gemeinderat weiterhin ein Förderer der Schneeberger Turner sein und immer ein offenes Ohr, ein offenes Herz und ab und zu auch einmal eine volle Hand für seine Turnerjugend haben! Es gibt keine bessere Kapitalanlage mit höherer Verzinsung als die, die man der Jugend zugute kommen lässt.Herzlicher Turnerdank gebührt in diesem Zusammenhang auch Herrn Adolf Dolzer, der in hoch- herziger Weise häufig den Verein durch namhafte Spenden unterstützte.
Die Aufgaben des Turnvereins heute
60 Jahre sind verstrichen seit der mutigen Tat jener 18 Idealisten von 1924. Das Jubiläum gab Anlass zu Rückblick und Besinnung. Es ist aber auch Anstoß Vorwärtszuschauen. Deswegen seien zum Schluss in aller Kürze noch einige allgemeingültige Gedanken zu den Aufgaben eines Turnvereins in der heutigen Zeit angeführt.
Zum ersten: In einer Zeit der Hektik und des einseitigen Stress braucht der Mensch mehr denn je den Ausgleich durch eine harmonische Ausbildung der körperlichen und geistigen Kräfte. In einer Zeit der Nervosität und der ständigen optischen und akustischen Reizüberflutung bedarf der Mensch, und vor allem das Kind, der inneren Sammlung und der Spannung, wie sie gerade durch Turnen, Sport und Spiel gefordert und gefördert werden. In einer Zeit der Mechanisierung, Maschinisierung, Motorisierung, Automation und Computer-Technik hat der Mensch schöpferische Impulse nötig, die aus dem freien und gelösten Spiel der Glieder ebenso entspringen wie aus einem beherrschten und beherzten Training.
In einer Zeit der fortschreitenden Vereinsamung und Vereinzelung des Menschen muss die Rolle der Gemeinschaft wieder belebt und erlebt werden, aus der allein, wie Jahn es nennt, wahre Sozietät und Sozialität entsteht.
Diese oft ausgesprochenen Wahrheiten sind trotz aller Sportpropaganda noch nicht überall erkannt und noch lange nicht von jedermann anerkannt. Hier hat der Turnverein seine erste Aufgabe: Immer wieder zu werben, um noch mehr Menschen zur aktiven Lebensgestaltung, zum Mitmachen und Mithalten in Turnen und Sport zu gewinnen.
Zum zweiten: Die Turngeräte, die einst Turnvater Jahn den Hindernissen in der freien Natur nachgebaut hat, sind auch heute noch eine feine Sache. Aber Turnen war von Anfang an nicht nur Geräteturnen. Was Jahn in der Hasenheide betrieb, war auch, um es mit modernen Begriffen zu sagen, Gymnastik mit und ohne Handgeräte und Leichtathletik in den klassischen Disziplinen Laufen, Werfen, Springen. Ganz besonders schätzte Jahn die Turnspiele, und der Ball war für ihn, nächst dem Rad, die genialste Erfindung der Menschheit. Es gibt heute über 100 verschiedene Ballspiele und kaum weniger Bälle vom kleinen, leichten Tischtennisball bis zum großen, schweren Medizinball. Das alles aber verpflichtet einen Turnverein, und sei es auch nur ein verhältnismäßig kleiner Verein, zu einem möglichst breitgefächerten Angebot. Natürlich darf er sich dabei nicht zersplittern, natürlich muss er je nach Größe Schwerpunkte setzen. Wer aber vieles bringt, wird jedem etwas bringen. Diese Binsenweisheit ist jedoch kein Freibrief dafür, die vielen schönen Geräte, die auch in der TV-Halle in Schneeberg zur Verfügung stehen, ungenutzt zu lassen. Das Turnen an den Geräten muss nach wie vor die Grundlage jeder turnerischen Betätigung bleiben.
Zum dritten: Unsere Turn- und Sportvereine werden heute immer mehr als Dienstleistungs- betriebe angesehen.
In der Tat leisten sie ja dem Einzelnen, wie auch der Bevölkerung und dem Staat unschätzbare Dienste. Nur tun sie dies im Gegensatz zu den kommerziellen Fitnessbetrieben, fast ganz gratis. Dass das ohne das Gros der ehrenamtlichen Helfer schlicht unmöglich wäre, wird oft übersehen und viel zu wenig gewürdigt. Daraus folgt zweierlei: Einmal muß unser Verein bestrebt bleiben, immer wieder neue ehrenamtliche Helfer zu finden, die sich durch ihre idealistische Gesinnung von bezahlten Sportfunktionären abheben. Und zum andern muß die Öffentlichkeit, müssen Gemeinde, Landkreis, Land und Bund nachhaltig um Mithilfe und Unterstützung gebeten werden. Dass gerade in unserem Raum von den Gemeinden und vom Landkreis viel, fast überdurchschnittlich viel für den Sport getan wird, ist höchst dankenswert, mindert aber nicht die Richtigkeit dieser grundsätzlichen Forderung.Zum vierten: Eben weil ein Verein mehr ist als ein Dienstleistungsbetrieb, müssen alle, die zu ihm gehören, treu zu ihm stehen und dürfen ihn nicht nur aufsuchen, wenn sie ihn brauchen (z. B. in der Turnstunde oder beim Training), sondern müssen auch zur Stelle sein, wenn der Verein sie braucht. Das bedeutet konkret eine Ermunterung an alle TV-Mitglieder, das Häuflein Idealisten an ihrer Vereinsspitze nicht mit ihren Idealen und ihrer Arbeit allein zu lassen und stets beizugehen, wenn sie gebeten oder gerufen werden. In der Freude des Gebens und Nehmens sollten alle Mitglieder sich ständig verbunden fühlen, treu ihren Idealen, treu ihrem Verein.
Der TV Schneeberg hat sich in seiner 60-jährigen Geschichte immer wieder als ein Sammelbecken vieler Kräfte erwiesen. In dieses Kräftebecken sollte jedermann immer wieder eintauchen.
Diese Ausführungen wurden mit einem politischen Leitwort von Friedrich Ludwig Jahn eingeleitet, sie seien mit einem sehr menschlichen Leitwort von Sportprofessor Carl Diehm beschlossen:"Der Sport soll unser Leben begleiten wie ein munterer Bach
den Wanderer.
In der Kindheit sollen uns des Baches lustige Spritzer netzen.
In der Jugend wollen wir uns in ihm wälzen und jubeln.
In der Vollreife baden wir in dem zum Strome Gewordenen.
Mit der sinkenden Sonne kosen seine Wellen bei beschaulichen Schwimmstößen unsere Schultern.
Und im Alter sitzen wir an seinen Ufern und erfreuen uns der neuen Jugend in seinen Fluten".
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Turnverein Schneeberg in seinem 60. Jahr
V OR S T A N D S C H A F T
1. Vorsitzender Wirtschafts- u. Geschäftsbetrieb : Franz Kuhn Horstmar Kuhn / Bruno Kemmerer
2. Vorsitzender : Norbert Kuhn
Abteilungsleiter Tischtennis : Ludwig Henn
Oberturnwart : Arno Knapp
Vertreterin der Frauenabteilung : Maria Reichert
Kassier : Hubert Ort Wanderwart : Siegfried Beuchert
Schriftführer : Josef Speth Gerätewart : Otto Hörst
Beisitzer : Dietmar Kuhn
Ü B U N G S L E I T E R
Arno Knapp Agnes Häfner
Alfred Reichert Edith Stubert
Josef Speth Edeltraud Gräser
Ludwig Henn Hannelore Beuchert
Joachim Kuhn Monika Niesner
Andreas Springer Maria Reichert
Angela Schäfer
Marlene Zipp
Johanne Magenheim
Jutta Pfaff
Die Entwicklung des
TV Schneeberg
von 1984 bis 1999
Die Entwicklung des TV Schneeberg von 1984 bis 1991
Die Vereinspolitik
Zum Zeitpunkt seines 60-jährigen Bestehens im Jahre 1984 präsentierte sich der TV Schneeberg mit seinen mehr als 400 Mitgliedern als etablierter Bestandteil der Gemeinde. Die vereinseigene Turnhalle war der Mittelpunkt aller Vereinsaktivitäten. Hier wurde nicht nur Sport getrieben, sondern mit ihr erwirtschaftete der TV Schneeberg auch finanzielle Mittel, die wiederum dem Sportbetrieb zugute kamen. Zum Ende der siebziger Jahre musste die Vereinsführung erkennen, daß die Turnhalle dringend einer Erweiterung bedurfte. Steigende Mitgliederzahlen und ein breiteres Sportangebot ließen Umkleide- und Geräteräume aus allen Nähten platzen. Neben der Erweiterung der Turnhalle sah sich die Vorstandschaft zu Beginn der achtziger Jahre noch mit einem weiteren Problem konfrontiert. Es fehlten leichtathletische Außenanlagen. Mangels dieser Anlagen mussten es die Übungsleiter des TV Schneeberg immer wieder hinnehmen, daß talentierte Jugendliche dem TV Schneeberg den Rücken kehrten und sich vor allem dem TSV Amorbach zuwandten. Beispielhaft genannt seien die auf Bezirks- ebene erfolgreichen Leichtathletinnen Sonja Dolzer und Jeanette Kuhn, sowie das Ausnahmetalent Bodo Kuhn, der 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul in der 4 x 400 Meter-Staffel startete.
Die Planung zur Erweiterung der Turnhalle wurde schon sehr früh in Angriff genommen. Rasch war klar, daß die beste Lösung ein Anbau auf der Ostseite der Turnhalle wäre. In langwierigen Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern engagierte sich Bürger- meister Josef Dumbacher für die Interessen des TV Schneeberg. 1984 schließlich konnte die Gemeinde dem TV Schneeberg zwischen Turnhalle und Feuerwehrhaus weiteres Ge- lände kostenlos überlassen. Außerdem hat der TV Schneeberg nach schwierigen Verhandlungen ein angrenzendes Grundstück zu Tauschzwecken erworben. Bedingung war allerdings, daß der Turnverein das dort in erheblichen Mengen gelagerte Holz und Baumaterial verladen und auf ein anderes Grundstück zu bringen hatte.
Ebenso wurde dem Turnverein bei den Verhandlungen um das letzte Grundstück die Auflage gemacht, ein dort genutztes Hühnerhaus einschließlich Einzäunung auf dem neuen Nachbargrundstück wieder aufzubauen.
Parallel zu den im Oktober 1985 abgeschlossenen Grundstückstrandsaktionen hatte der Amorbacher Architekt Hans Eck den Bauplan für die Erweiterung der Turnhalle erstellt. Damit waren im Winter 1985/1986 die rechtlichen Grundlagen für den Erweiterungsbau geschaffen. Die finanzielle Voraussetzung schufen sieben Mitglieder vom Vereinsausschuss. Sie bürgten mit jeweils DM 10.000 für eine Zwischenfinanzierung bei einer Bank für das später zu erwartende Darlehen vom Bayerischen Landessportverband (BLSV).
Mit Einsetzen der wärmeren Witterung im Frühjahr 1986 erfolgte der Baubeginn. Die Bauleitung hatte Wolfgang Gräser. Er erreichte auch, daß die Firma Müller aus Rinschheim die Bauarbeiten durch die kostenlose Überlassung von Maschinen unterstützte. Viele Vereinsmitglieder packten kräftig mit an. Dank der Eigenleistung seiner Mitglieder meisterte der TV Schneeberg diesen finanziellen Kraftakt. Ab Mai 1987 konnten die in den Sporträumen der Turnhalle gelagerten Übungsgeräte in einem der neuen Räume untergebracht werden. Für Feste und Veranstaltungen bereitgehaltene Stühle und Tische, die entlang der Turnhallen- wände aufgestapelt worden waren und den Sportbetrieb jahrelang behindert hatten, fanden nun auch in diesem Anbau ihren Platz. Für die Fertigstellung des Vereinszimmers und der anderen Räume hatte das Geld nicht mehr gereicht. Erst 1988 konnten diese Räume eingerichtet und der Anbau eingeweiht werden.
Im Jahr 1985 wurde seitens der Gemeinde die Planung eines neuen Sportgeländes in der Winterhelle in Angriff genommen. Die Gemeinde wollte dort in erster Linie einen neuen Fußballplatz für die Sportfreunde schaffen. Gleichzeitig bot es sich an, in diese Planungen auch die vom Turnverein lange Jahre geforderten leichtathletischen Außenanlagen, insbesondere eine 100-Meter-Bahn, zu integrieren. In den folgenden Monaten zeigte es sich, daß die Interessen der Sportfreunde und des TV Schneeberg gerade hinsichtlich einer 100-Meter-Bahn nicht unter einen Hut zu bringen waren. Es gab erhebliche Differenzen über Art und Umfang der leichtathletischen Anlagen, ihre Nutzung und deren Unterhalt. Der TV Schneeberg sah sich bald unter erheblichen Druck gesetzt, da die Unterstützung für die leichtathletischen Anlagen von einer Einbindung in den neuen Sportplatzbau und damit von einer Einigung zwischen den Sportfreunden Schneeberg und dem TV Schneeberg abhängig gemacht worden war. Um die Probleme der gemeinsamen Finanzierung, Nutzung und Wartung zu bewältigen, wurde auch an einen Zusammenschluss beider Vereine gedacht. Von dem ursprünglichen Vorhaben, eine komplette leichtathletische Außenanlage auf dem neuen Gelände zu schaffen, war inzwischen, im Zuge des Planungsfortschritts durch die Gemeinde, nur noch eine100-Meter-Bahn übriggeblieben. Daher beschloss am 20.7.1987 der
Vereinsausschuss des TV schließlich die Abkehr vom Projekt "Sportgelände Winterhelle" und verzichtete damit zunächst auf die Schaffung einer 100-Meter-Bahn. Der Ausschuss beschloss stattdessen, sich mit ganzer Kraft für die Schaffung der leichtathletischen Anlagen im Bereich hinter der Turnhalle einzusetzen. Der Gemeinderat nahm dies positiv auf und erklärte sich bereit, den TV Schneeberg hierbei im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen.Höhepunkt des Jahres 1987 war auch aus Vereinssicht die
750-Jahr-Feier der Gemeinde Schneeberg. An den verschiedenen Veranstaltungen beteiligte sich der TV Schneeberg als größter Verein der Gemeinde. So wurde die Turnhalle in der Woche nach Ostern für die Foto- und Geräteausstellung der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Beim historischen Markttreiben, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten, gestalteten Gruppen des TV Schneeberg, z.B. die Waschweiber, frühere Lebensarten mit. Andere Mitglieder des TV Schneeberg leisteten ihren Dienst in dem großen Festzelt.1989 meldete sich der TV Schneeberg bei der Gemeinde und erinnerte an seinen Wunsch nach leichtathletischen Außenanlagen im Bereich der Turnhalle. Es kam zu einer gemeinsamen Ortsbesichtigung durch Bürgermeister Artur Trunk und dem Gemeinderat sowie dem Vereinsausschuss des TV Schneeberg. Wegen der fehlenden Bereitschaft der Grundstückseigentümer in diesem Bereich Flächen zu verkaufen, verlief der gemeinsame Anlauf im Sand.
1989 war auch das Jahr des Mauerfalls. Es war das Jahr, in dem durch das Asylanten- heim in der Zittenfeldener Straße auch sehr viele ausländische Familien nach Schneeberg kamen. In dieser Zeit gab der TV Schneeberg ein deutliches humanitäres Signal. Zur Integration dieser neuen Mitbürger nahm der Verein die Kinder kostenlos als Mitglieder auf. Der tschechische Asylbewerber Paul Novotny konnte für das Bubenturnen als Übungsleiter gewonnen werden.
1991 war für den TV Schneeberg ein sehr schwieriges Jahr. Der Beginn des Golfkrieges führte zur Absage der Faschingssaison. Öffentliche Baumaßnahmen in der Vereinsstraße verhinderten die Ausrichtung der Volleyball-Ortsmeisterschaft und ein für alle Kinder der Gemeinde geplantes Spielfest. Damit fehlten dem TV Schneeberg wichtige Einnahmen, die für den Unterhalt der Turnhalle und die Aufrechterhaltung des Sportbetriebs benötigt worden wären. Dieses schwierige Jahr bewältigte der TV Schneeberg, indem er Neuinvestitionen unterließ und die laufenden Ausgaben aus den dafür gebildeten Rücklagen abdeckte. 1991 erreichte der TV Schneeberg mit 526 Mitgliedern einen neuen Höchststand.
Während der Ausschuss sich mit der Zukunft von Verein und Turnhalle auseinander zusetzen hatte, feierten die Aktiven des TV Schneeberg im sportlichen Bereich noch nie gesehene Erfolge. Vorbehaltlos unterstützt von Abteilungsleiter Ludwig Henn hatte Trainer Joachim Kuhn seit Anfang der 80er Jahre den Tischtennisnachwuchs systematisch trainiert.
Nun ernteten sie die Erfolge ihrer Arbeit. Die Mädchen Altersklasse I
(16-18 Jahre) in der Besetzung Marlene Zipp, Elke Dolzer und Susanne Trunk wurden bei den Bayerischen Pokalmeisterschaften 1984 in Bayreuth Dritte. Die Mädchen der Altersklasse III (12 - 14 Jahre) errangen im gleichen Jahr in der Besetzung Kerstin Reichert, Tanja Kratochwil und Esther Löhr sogar die Bayerische Vizemeisterschaft. Noch niemals zuvor war es Aktiven des TV Schneeberg gelungen, sich für eine Endausscheidung auf Landesebene zu qualifizieren, und nun schafften dies gleich zwei Mannschaften. Auch von verschiedenen Turnieren kehrten vor allem die Tischtennismädchen des TV Schneeberg mit schönen Erfolgen auf Kreis- und Bezirksebene zurück.Bemerkenswert an diesem großartigen Erfolg der Nachwuchsarbeit der Tischtennisabteilung ist auch die Tatsache, daß alle Spielerinnen aus unserer doch relativ kleinen Gemeinde stammten. In den Folgejahren setzte Marlene Zipp als Trainerin die erfolgreiche Arbeit Joachim Kuhns fort.
In den Jahren 1986 bis 1988 errang die Mädchenmannschaft der Altersklasse II (14 - 16 Jahre) in der Besetzung Daniela Wörner, Annika Stubert, Miriam Winkler, Marion Appel und Nicole Hörst Plätze in der Unterfrankenliga.
1989 verzichtete diese Mannschaft wegen der strapaziösen Fahrtstrecken sogar auf den Aufstieg in die Bayernliga, für die sie sich qualifiziert hatte. Bemerkenswert sind auch die Erfolge der Jungenmannschaft der Altersklasse I im Zeitraum 1985 bis 1987, in der Rainer Zipf, Marco Schell, Michael Häfner und Georg Müller von der Kreisliga ebenfalls bis in die Unterfrankenliga aufstiegen.1990 begann die Zeit von Melanie Speth und Torben Schwarz. Beide errangen die Kreismeisterschaft. Bei den Unterfränkischen Meisterschaften wurde Melanie Speth schließlich Dritte. 1991 wiederholten die beiden ihren Vorjahreserfolg. Beide wurden Kreismeister und schafften auf Bezirksebene Spitzenplatzierungen. Als erste Aktive der Tischtennisabteilung qualifizierte sich Melanie Speth 1991für die Teilnahme an Bayerischen Einzelmeisterschaften.
Auch die Karateabteilung machte in diesen Jahren immer wieder durch bemerkenswerte Turniersiege von sich reden. Beispielhaft sei hier Josef Schnadenberger genannt, der es 1987 bei den Deutschen Meisterschaften im Goyo Ryu-Stil im Kumite Einzel und Kata Einzel zur Meisterschaft brachte. Sein Mannschaftskollege Rudi Russ wurde im gleichen Jahr in die Nationalmannschaft berufen. Bei der Teilnahme an den Europameisterschaften in Belgien wurde er Siebter im Einzel- sowie Vize-Europameister in der Mannschaftswertung. Diese Erfolge steigerten den Zulauf zu dieser Sparte erheblich. Da aber die Kapazitäten in der Turnhalle ausgereizt waren, entschloss sich die Karateabteilung im Jahr 1988 geschlossen zum Austritt aus dem TV Schneeberg und zur Gründung des Goyo-Ryu-Karateclubs Amorbach.
Neue Impulse kamen auch von den Jedermannturnern im Bereich des Breitensports, die angeregt durch ihr wöchentliches Volleyballspiel in der Turnhalle, auch eine Ortsmeisterschaft zur Förderung dieser zwischenzeitlich beliebten Sportart durchführen wollten. Am 21.7.1985 fand unter Leitung von Schriftführer Josef Speth die erste Volleyball-Ortsmeisterschaft statt. 16 Freizeitmannschaften folgten der Einladung des TV Schneeberg. Sie schufen damit die Grundlage für ein populäres Turnier, das bis heute aus unserer Gemeinde nicht mehr wegzu- denken ist. Eine Zwangspause für die Volleyball-Ortsmeisterschaft gab es nur im Jahr 1987 wegen der 750-Jahr-Feier und im Jahr 1991 wegen der Verlegung eines Kanals in der Vereinsstraße.
Die Entwicklung des TV Schneeberg von 1992 bis 1999
Mit der Generalversammlung am 10.1.1992 endete eine Ära in der Geschichte des TV Schneeberg. Franz Kuhn, der 40 Jahre lang den Verein als 1. Vorsitzender geführt hatte, kandidierte nicht mehr. Die Generalversammlung wählte auf Vorschlag des Vereinsausschuss Wolfgang Speth zum neuen 1. Vorsitzenden. Franz Kuhn wurde in Würdigung seiner herausragenden Verdienste zum Ehrenvorsitzenden mit Sitz und Stimme im Vereinsausschuss ernannt.
Die Chronik des TV Schneeberg beinhaltet all die Verdienste, die sich Franz Kuhn in den Jahrzehnten an der Vereinsspitze erworben hat. Sie wird aber dem Phänomen Franz Kuhn an sich nicht gerecht. Das Engagement und der Idealismus, mit dem Franz Kuhn über all die Jahre hinweg seine Aufgabe gemeistert hat, werden heute noch geachtet und bewundert. Gerade diese Eigenschaften, dazu eine große Portion Beharrlichkeit und die unermüdliche Unterstützung durch seine Frau Anna, halfen Franz Kuhn, den TV Schneeberg nach vorne zu bringen und vorne zu halten. Franz Kuhn war nicht nur die treibende Kraft beim Bau der Turnhalle, er war auch für mehr als zehn Jahre ihr Hausmeister. Für die meisten ist die Existenz der Turnhalle heute eine Selbstverständlichkeit. Für Franz Kuhn war sie stets etwas Besonderes. Es war Frucht von langjähriger, harter Arbeit, die Respekt verdient.
Franz Kuhn hat sich nie viel aus Ehrungen gemacht, die ihm im Verlauf seiner Tätigkeit vom Turngau und BLSV zuteil wurden. Herausragend war allerdings 1994 die Verleihung der Ehrenmedaille des Freistaats Bayern für Leistungen im Ehrenamt durch den Kultusminister, Hans Zehetmair. Diese Medaille wurde anlässlich des Jahres des Ehrenamts an 99 ausgesuchte bayerische Persönlichkeiten verliehen. Diese 99 Geehrten wurden aus über 350.000 Menschen ausgewählt, die sich ehrenamtlich für den Sport in Bayern engagiert hatten. Erst hierdurch wird der tatsächliche Wert dieser Ehrung deutlich.
Neben Franz Kuhn kandierte auch der langjährige 2. Vorsitzende, Norbert Kuhn 1992 nicht mehr. Auch er hat sich mit seiner Fachkenntnis bei allen Baumaßnahmen des Turnvereins sehr engagiert und den Verein durch Spenden unterstützt. Norbert Kuhn erklärte sich bereit, das Amt des Gerätewarts zu bekleiden. Neuer 2. Vorsitzender wurde Peter Appel. Ansonsten blieb in der Vorstandschaft alles beim Alten.
Der neue 1. Vorsitzende Wolfgang Speth setzte die bewährte Politik seines Vorgängers fort. Erklärtes Ziel war das Leistungsangebot für Sportinteressierte weiterhin attraktiv zu gestalten. Ein besonderes Anliegen war für Wolfgang Speth der Kontakt zu den Übungsleitern.
Übungsleitermangel war und ist auch für den TV Schneeberg immer wieder ein Problem. Für die Buben ab 10 Jahren war 1992 kein neuer Übungsleiter zu finden. Abhilfe schuf eine ABM- Maßnahme des Turngaus Main-Spessart, an der sich der TV Schneeberg beteiligte. Der Turngau hatte eine Diplom-Sportlehrerin eingestellt, die wiederum interessierten Mitgliedsvereinen gegen Beteiligung an den Lohnkosten, zum Abhalten von Übungsstunden bereitgestellt wurde. Dieses Angebot nutzte auch der TV Schneeberg. Zur Freude von Eltern und Kindern konnte das Bubenturnen wieder stattfinden.
Nachdem im Vorjahr wegen des Golfkriegs die für die Vereinsfinanzen so wichtigen Faschingsveranstaltungen ausgefallen waren, fand man neue Wege, die Turnhalle wirtschaftlich zu nutzen. Mit insgesamt 18 Veranstaltungen wurde dabei 1992 eine große Auslastung erreicht. Ab sofort konnten private Personen und Firmen die Halle für eigene Feste und Veranstaltungen mieten.
Auch bei den Faschingsveranstaltungen wurden neue Wege beschritten. Ab 1995 richteten die Faschingsgesellschaft Schneeberger Krabbe und der TV Schneeberg in der Turnhalle im Anschluss an den Prinzenpaar-Empfang gemeinsam einen Kappenabend aus. Auf Wunsch zahlreicher Vereinsmitglieder wurde der Altweiberfasching 1996 erstmals in der Turnhalle durchgeführt. Die Veranstaltung kam bei allen Akteuren sehr gut an, so daß man in den Folgejahren dabei blieb.
Während der Vereinsausschuss sich neben den Veranstaltungen zumeist mit Renovierungs- arbeiten und Reparaturen an der Halle befasste, schwelte das Thema der leichtathletischen Außenanlagen stets unterschwellig mit. 1993 wurde Wolfgang Speth mit diesem Thema wieder bei der Gemeinde vorstellig. Er erinnerte den Gemeinderat an seine Unterstützungszusage aus dem Jahr 1987, den Bau dieser Anlagen im Umfeld der Turnhalle zu betreiben. Auch wenn die Gespräche ergebnislos blieben, so waren die Zusagen dem Gemeinderat noch präsent.
Mitte 1994 informierte die Gemeinde Schneeberg den Turnverein über einen privaten Grundstücksankauf im Bereich hinter der Turnhalle. Das betroffene Grundstück war in einer früheren Lageplanskizze für die vom TV Schneeberg gewünschte 100-Meter-Bahn vorgesehen gewesen. Die Gemeinde wollte nun vom TV Schneeberg wissen, wie es um diese Planungen be- stellt sei. Nun war das Dauerthema leichtathletische Außenanlagen wieder auf dem Tisch, und es kam Bewegung in die Sache. Für den TV Schneeberg ging es darum, in dem betroffenen Bereich eine möglichst große Fläche zu erwerben, um bei der Planung der Sportfelder flexibel sein zu können. Es zeigte sich bald, daß dieser erste Verkauf eine regelrechte Lawine losgetreten hatte. Die bislang ablehnenden Eigentümer bekundeten plötzlich Gesprächsbereitschaft über Grundstücksverkäufe oder den Tausch von Flächen. Erfreulicherweise reagierte auch der Gemeinderat unter Bürgermeister Artur Trunk sofort auf das veränderte Verhalten der Anlieger und unterstützte den TV Schneeberg vorbehaltlos. Noch 1994 konnte die Gemeinde, durch einen Tausch, dem TV Schneeberg ein Grundstück in diesem Bereich kostenlos zur Verfügung stellen. Einem anderen Eigentümer gegenüber erklärte sich die Gemeinde zur Einräumung eines Wege- rechts bereit, wenn dieser an anderer Stelle Gelände an den TV Schneeberg verkaufen würde.
Bei der Generalversammlung am 13.1.95 konnte der 1. Vorsitzende Wolfgang Speth den An- wesenden eine freudige Botschaft überbringen. Es war ihm gelungen, den Kauf des unmittelbar hinter der Turnhalle gelegenen Grundstücks zwei Tage zuvor durch den Turnverein perfekt zu machen. Zusammen mit dem von der Gemeinde überlassenen Gelände und abzüglich einer Ausgleichsfläche hinter dem Spielplatz bei der Raiffeisenbank besaß der TV Schneeberg nun 1.500 qm Gelände mehr.
Auf diese Chance hatte die Vereinsführung seit Jahren gewartet, auch wenn der TV Schneeberg dabei an die Grenzen des finanziell Machbaren gehen musste.Wolfgang Speth rückte bei der Generalversammlung auch öffentlich vom Bau einer 100-Meter- Bahn ab. Er verwies auf die grundlegenden Veränderungen bei den Sportvereinen. Klassischen Sportdisziplinen wie dem Turnen und der Leichtathletik fehlte es allerorten an Zuspruch. Gefragt waren dagegen Mannschaftssportarten wie z.B. Volleyball oder Basketball. Wolfgang Speth zog das Fazit, daß der TV Schneeberg mit dem Geländekauf die Weichen für seine zukünftige Entwicklung gestellt habe.
Das neuerworbene Gelände beschäftigte den Vereinsausschuss auch noch in den folgenden Jahren. Das Gelände wurde ausgeschoben und eine Zisterne gesetzt. Mit dem Gemeinderat wurde über einen Zuschuss zu den Kosten des Grunderwerbs verhandelt. Noch vor der Vermessung des Geländes, Ende des Jahres 1995, einigte sich der TV Schneeberg mit einem Anlieger auf einen Geländetausch, der zur Abrundung der erworbenen Fläche führte.
Gegen die Überlassung von Gelände in östlicher Richtung erhielt der TV Schneeberg im Tausch Gelände in der Verlängerung des bisherigen Turnplatzes, gleich hinter der Turnhalle. 1996 wurde die nunmehr als Spiel- und Sportgelände bezeichnete Fläche nivelliert und eingesät. Das Vermessungsamt Klingenberg trat zu einer Nachmessung an, nachdem es Ungereimtheiten bei der Erstvermessung gegeben hatte. Bei dieser Nachmessung wurden 40 qm zusätzliche Fläche entdeckt, die noch nachträglich in all die Tausch- und Kaufaktionen notariell eingebunden werden mussten. Schließlich ging noch von der Gemeinde ein Zuschuss von DM 25.000 für den Erwerb des Geländes ein. Die Freude über den Zuschuss währte nur kurz. Wenige Wochen nach dessen Eingang stellte die Gemeinde dem TV Schneeberg einen Beitragsbe- scheid über Kanalanschlusskosten in Höhe von DM 16.000 zu, von denen die Hälfte sofort zahl- bar war. Am 14.6.97 erfolgte schließlich die offizielle Einweihung des nunmehr 3.700 Quadratmeter großen Spiel- und Sportgeländes durch Hochwürden Pfarrer Dorn, die der TV Schneeberg mit einem zweitägigen Fest feierte.
Zum 1.1.95 erhöhte der TV Schneeberg seine Mitgliedsbeiträge recht deutlich. Dies geschah nicht wegen des Geldbedarfs durch den Grundstückerwerb. Grund war eine entsprechende Vorgabe des BLSV. Nur Vereine, die die vorgeschriebenen Mindestbeiträge erheben, erhalten vom Verband auch Fördermittel. Die Beiträge für Jugendliche stiegen um 33 %, die Beiträge für Erwachsene um 25 %. Gleichzeitig hatte der BLSV alle seine Mitgliedsvereine informiert, daß er auch schon für die Jahre 1997 und 2000 deutliche Beitragserhöhungen beschlossen habe.
Die Beitragspolitik des BLSV brachte die Verantwortlichen des TV Schneeberg in die Zwickmühle, denn viele Mitglieder des Turnvereins zahlen nicht nur die Beiträge, sondern arbeiten noch zusätzlich zum Wohle aller im Wirtschaftsbetrieb mit.
Wegen des neuerworbenen Geländes war man auf den BLSV und seine Fördertöpfe angewiesen. So entschied sich der Vereinsausschuss für die Umsetzung der vom BLSV verordneten Beitragserhöhungen. Zugleich behielt man aber den Familienbeitrag und den Seniorenbeitrag bei. Diese beiden Beitragsarten erkennt der BLSV nicht an. Die hierdurch fehlenden Beiträge müssen jedes Jahr neu durch Spenden ausgeglichen werden, damit der TV Schneeberg seine Förderberechtigung nicht verliert.Der Vereinsausschuss hatte sein Möglichstes getan, um die Auswirkungen für die Mitglieder zu mildern. Dennoch kam es wegen der Beitragserhöhungen zu einer Reihe von Austritten. Zu Beginn des Jahres 1997 kam die nächste, vom BLSV verordnete Beitragserhöhung. Die Beiträge für Erwachsene mussten erneut um 20 % steigen.
Aus der Erfahrungen von 1995 beschloss der Vereinsausschuss die Einführung eines eigenen, niedrigeren Beitrags für passive Mitglieder, so daß nur die Aktiven von der Erhöhung betroffen waren. Das so entstandene Beitragsdefizit wurde durch eine Vorwegnahme der für das Jahr 2000 angekündigten Beitragserhöhung für Kinder und Jugendliche zumindest teilweise ausgeglichen. Es zeigte sich, daß die Akzeptanz dieser Beitragsänderung bei den Mitgliedern dieses Mal deutlich höher als zwei Jahre zuvor war.
Das Jahr 1998 stand nach den großen Ausgaben der vorangegangenen Jahre ganz im Zeichen der Konsolidierung der Vereinsfinanzen. Investiert wurde lediglich in die Einrichtung des Vereinsbüros. Hierfür wurde ein eigener Personalcomputer angeschafft, auf dem der TV Schneeberg nun z.B. die Mitgliederverwaltung vornimmt. Aber auch die Buchhaltung, die zum Betrieb eines 500- Mitglieder-Vereins mit Wirtschaftsbetrieb zwangsläufig erforderlich ist, wird nun auf dem vereins- eigenen Computer geführt.
Wie in den beiden Jahren zuvor wurde Melanie Speth auch 1992 und 1993 wieder Kreismeisterin im Tischtennis. 1993 schaffte sie bei den Unterfränkischen Meisterschaften wie schon 1990 einen dritten Platz.
Schon 1991 trat mit Monika Lausberger das größte Tischtennis-Talent ins Rampenlicht, das der TV Schneeberg bis heute hervorgebracht hat. Über erfolgreiche Wettkämpfe errang sie 1993 die unterfränkische Einzelmeisterschaft und wurde im gleichen Jahr schließlich bayerische Vizemeisterin im Einzel der Altersklasse IV. Nach weiteren Erfolgen in 1994 und 1995 wechselte sie zur Bayernligamannschaft des TV Mömlingen.1994 wurde mit Ramona Königer wieder ein Schneeberger Mädchen Kreismeisterin in der Altersklasse IV. Auch sie krönte ihre Leistung durch einen dritten Platz bei den Unterfränkischen Meisterschaften und qualifizierte sich sogar für die Nordbayerischen Meisterschaften. Anke Melchior, 1998 Kreismeisterin in der Altersklasse IV, und Yvonne Berger, die ihr 1999 folgte, setzten die Erfolgsstory der Nachwuchsarbeit der Tischtennisabteilung fort.
Die Tischtennis-Herren konnten ebenso eine Reihe schöner Erfolge auf Kreisebene erzielen. Über die Jahre hinweg gab es so manche Meisterschaft in den Spielrunden zu feiern. Seit 1996 konnten Aktive des TV Schneeberg auch immer wieder bei Kreisranglistenturnieren Er- folge feiern. Genannt seien hier Berthold Hohm, Joachim Kemmerer, Achim Krutsch und nicht zuletzt die Brüder Martin und Michael Häfner. Jüngstes "Kind" der Tischtennisabteilung ist die Damenmannschaft, die erste, die es in der Geschichte der Tischtennisabteilung Schneebergs überhaupt gibt. Die fünf Aktiven, die sich oft jahrelanger Pause zur gemeinsamen Teilnahme am Rundenbetrieb entschieden, nach konnten bereits im ersten Jahr die Vizemeisterschaft und damit den Aufstieg feiern.Neben den Aktiven der Tischtennisabteilung messen sich noch die Buben bei einzelnen Leichtathletikwettbewerben mit Vertretern anderer Vereine. Hier steht zu hoffen, daß nach der Schaffung entsprechender Trainingsmöglichkeiten auf dem Spiel- und Sportgelände die Vergleiche und auch die Erfolge häufiger werden.
Im Bereich des Breitensports hat der Erwerb der Sportabzeichen, vor allem durch die Aktiven der Jedermannturner, auch in Schneeberg eine lange Tradition. Unter Leitung des Oberturnwarts Alfred Reichert nimmt Jahr für Jahr eine ganze Reihe von Mitgliedern an dieser "Olympiade des kleinen Mannes" teil. An der seit 1985 veranstalteten Ortsmeisterschaft im Volleyball nehmen Jahr für Jahr auch sehr viele Vereinsmitglieder als Akteure in einer der Freizeitmannschaften teil. Seit 1998 wird neben der klassischen Ortsmeisterschaft für Herren- und Mixedmannschaften auch eine Ortsmeisterschaft für reine Damenmannschaften ausgespielt. Diese Neuerung, sowie das seit 1997 zur Verfügung stehende Spiel- und Sportgelände, haben den Zuspruch dieses schon immer recht populären Turniers noch deutlich erhöht.
Im Jahre 1999 veranstaltete die Tischtennisabteilung erstmals eine Tischtennisortsmeisterschaft für Freizeitmannschaften. Fast hundert Teilnehmer ließen das Experiment zu einem vollen Erfolg werden. Der Fortbestand dieses neuen Turniers ist damit natürlich gesichert.
Auch an Turnieren anderer Vereine Schneebergs nahmen Mitglieder des Turnvereins aus unter- schiedlichen Turngruppen teil. Während für die Fußballortsmeisterschaft nur wenige Mannschaften gestellt werden konnten, stellte der Turnverein beim Vereinsschießen des Schützenvereins in jedem Jahr die meisten Schützenmannschaften und erhielt damit immer den Meistbeteiligungspreis. Um Aktivität und Geselligkeit unter einen Hut zu bringen, veranstaltet der TV Schneeberg, unter der Leitung des Wanderwartes Siegfried Beuchert, jedes Jahr im Frühling eine Trimm-Trab-Wanderung. Diese Einrichtung erfreut sich großer Beliebtheit, kann man doch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Neben den Trimm-Trab-Wanderungen werden auch die jährlichen Gauwandertage vom Wander- wart organisiert und betreut. Zweimal wurde der TV Schneeberg im Laufe seiner Geschichte zum Ziel aller Wanderer die am Gauwandertag teilnahmen.
Menschen, die den Verein bewegten
Franz Kuhn, der große Motor des TV Schneeberg, stand vier Jahrzehnte als 1. Vorsitzender an der Vereinsspitze. Mit dem 2. Vorsitzenden Norbert Kuhn, Kassier Hubert Ort und dem Vorsitzen- den des Wirtschaftsausschusses, Horstmar Kuhn, hatte er drei erprobte Vereinsfunktionäre an seiner Seite. Verdiente Funktionäre des TV Schneeberg waren auch der Leiter der Tischtennisabteilung, Ludwig Henn und Wanderwart Siegfried Beuchert. Alfred Reichert hatte 1988 den lang- jährigen Oberturnwart des TV Schneeberg, Arno Knapp, abgelöst, der aus Zeitmangel nicht mehr für das Amt kandidierte. Mit diesem Wechsel kam auch eine Umorientierung innerhalb des Vereins zum Ausdruck; weg vom klassischen Turnen, hin zum Ausgleichssport, zum Jedermannturnen. 1987 gab es durch den Rücktritt von Josef Speth auch einen Wechsel des Schriftführers. Ralf Reichert, der erst 1986 in den Vereinsausschuss gewählt worden war, übernahm dieses Amt. Weiterhin gehörten dem wichtigsten Führungsgremium des Vereins die langjährigen Ausschussmitglieder Agnes Häfner, Maria Reichert, Bruno Kemmerer und Dietmar Kuhn an. Aus Gesundheits- gründen musste der langjährige Gerätewart des TV Schneeberg, Otto Hörst, 1988 sein Amt in die jüngeren Hände von Martin Häfner legen.
Die Kontinuität in der Vereinsführung, nicht nur beim Vorsitzenden, sondern auch innerhalb des Vereinsausschusses, war der Garant für die stetige und solide Entwicklung des Vereins über die vergangenen Jahre hinweg. Dabei ist zu unterstreichen, daß gerade auf Initiative der Vorstandschaft immer wieder auch jüngere Vereinsmitglieder in dieses wichtige Gremium gewählt wurden. Dort fungierten sie als Impulsgeber, die den Kurs des Vereins beeinflusst haben.
Mit Agnes Häfner, Bruno Kemmerer, Arno Knapp und Dietmar Kuhn schieden 1992 bzw. 1994 vier langjährige Ausschussmitglieder aus. Für sie rückten Brigitte Kohl, Martina Pfeiffer und Annemarie Schäfer in das Gremium nach.
Eine so stark genutzte Turnhalle, mit entsprechenden Außenanlagen bedarf einer kontinuierlichen Betreuung und Wartung, das heißt, sie benötigt einen engagierten Hausmeister.
Von 1977 bis 1985 betreuten die Eheleute Edith und Eduard Stubert das umfangreiche Arbeitsgebiet, danach übernahmen die Eheleute Regina und Dietmar Henn diese Aufgabe. In dieser Zeitraum wurde der Hausmeister zusätzlich durch die Arbeiten am Anbau der Turnhalle belastet. Ab 1992 kümmerten sich die Eheleute Jens und Ilka Pfannenschmidt um die Turnhalle. Seit Mitte 1997 sind nun Dieter und Luisa Albers das fünfte Hausmeisterehepaar.
Große Bedeutung innerhalb der ehrenamtlichen Aufgaben eines Turnvereins fällt den Übungsleitern zu. Ohne ihren Einsatz kann ein Turnverein nicht bestehen. Einmal in der Woche nehmen sie sich Zeit, um mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen körperliche Fitness zu trainieren und durch Spiele entspannende Fröhlichkeit aufkommen zu lassen. Um das Ganze motivierend und fröhlich für die Turner zu gestalten, sind immer wieder neue Ideen bei Spiel und Training gefragt.
Neben den wöchentlichen Übungsstunden wurden Spielnachmittage durchgeführt, zu denen die Kinder der gesamten Gemeinde eingeladen waren. Aber auch dem Wettbewerb stellte man sich, indem man an Gauturnfesten und anderen leichtathletischen Veranstaltungen teilnahm.
Große Freude hatten die Kinder an den alljährlich besonders vorbereiteten Nikolausfeiern, an denen die Kinder auch ihr Können in Form einer Turnschau vorstellten. Hier überraschte der Turn- verein mit eigens von den Übungsleitern ausgewählten kleinen Geschenken.
Viele Übungsleiter des TV Schneeberg versehen diesen Dienst am Mitmenschen bereits seit vielen Jahren. Große Verbundenheit zum Verein zeigten auch weiterhin unsere Ehrenmitglieder, die sich auch nach der Ernennung zum Ehrenmitglied, für Aufgaben des Turnvereins zur Verfügung gestellt haben. Im Jahre 1992 verlor der Verein mit Reinhold Keller, Emil Kuhn und Josef Keller binnen weniger Monate drei verdiente Ehrenmitglieder. Mit Ruthard Keller und Ludwig Henn wurden 1997 zwei verdiente Mitglieder zu Grabe getragen. Ruthard Keller hatte der Vorstandschaft lange Jahre angehört, und zuletzt von 1978 bis 1986 das Amt des 2. Vorsitzenden begleitet. Ludwig Henn war über Jahrzehnte der Motor und Leiter der Tischtennis- abteilung, die er bis Anfang 1996 auch im Vereinsausschuss vertrat.
Viele Menschen beklagen heute das Desinteresse vieler Jungendlicher an der Gesellschaft. Mediziner warnen vor Zivilisationskrankheiten, entstanden durch zu wenig Bewegung und Pädagogen machen aufmerksam auf zunehmend unsoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen.
In solcher Zeit ist es wichtig, nicht nur Fehlverhalten anzuprangern, sondern aufzustehen und Angebote zur Abschaffung dieser Mißtändezu machen.
Der Turnverein hat aufgrund seiner Struktur, die Möglichkeit, sowohl bei der körperlichen Gesundheit, als auch im sozialen Bereich, Positives zu bewirken. Da es hier um die Zukunft unserer Kinder in einer lebendigen, verantwortungsvollen Gemeinde geht, ist jede Unterstützung eines Turnvereins, sei es ideeller oder finanzieller Art, eine Investition in eine sinnvolle Zukunft.
Der Turnverein Schneeberg in seinem 75. Jahr
Im Jubiläumsjahr aktive Übungsleiter:
Agnes Häfner Stefan Büchler
Silvia Hausmann Martin Drescher
Petra Herkert Martin Häfner
Anni Keller Michael Häfner
Brigitte Kohl Alexander Münch
Johanne Magenheim Alfred Reichert
Monika Niesner
Martina Pfeiffer
Silvia Trunk
Rita Weiss
Marlene Zipp
Weitere Übungsleiter, die in den letzten 15 Jahren den Verein unterstützt haben:
Hannelore Beuchert , Ludwig Henn
Marita Deinzer , Arno Knapp
Edeltraud Gräser , Bodo Kuhn
Angelika Kuhn , Joachim Kuhn
Monika Peikert , Paul Novotny
Jutta Pfaff , Josef Speth
Maria Pittner , Andreas Springer
Erika Prieschl
Angela Schäfer
Doris Speth
Edith Stubert
Elke Wunderlich
Vorstandschaft:
1. Vorsitzender: Wolfgang Speth
2. Vorsitzender: Peter Appel
Oberturnwart: Alfred Reichert
Kassier: Hubert Ort
Brigitte Kohl
Schriftführer: Ralf Reichert
Wirtschaftsbetrieb: Horstmar Kuhn
Martina Pfeiffer
Annemarie Schäfer
Abt.-Leiter Tischtennis: Martin Häfner
Wanderwart: Siegfried Beuchert
Gerätewart: Norbert Kuhn
Beisitzer: Viliam Hofmann
Ehrenvorsitzender: Franz Kuhn
Ehrenmitglieder: Wendelin Berberich
Leo Büchler
Erwin Geyer
Karl Henn
Otto Hörst
Alois Kuhn
Carl Kuhn
Erwin Kuhn
Ludwig Kuhn
Josef Schäfer
Leonhard Trunk
Richard Trunk